Einen Gaming-PC zusammenzustellen wirkt auf den ersten Blick kompliziert: Prozessor, Grafikkarte, Mainboard, Arbeitsspeicher, SSD, Netzteil und Kühlung müssen nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch zusammenpassen. Dazu kommen unterschiedliche Preisklassen und die Frage, welche Hardware für die eigenen Spiele überhaupt notwendig ist.

Der wichtigste Tipp lautet deshalb: Nicht mit einzelnen Komponenten anfangen, sondern zuerst festlegen, was der neue Gaming-PC leisten soll. Erst danach lohnt sich die Auswahl der Hardware.

1. Zuerst das Budget festlegen

Bevor einzelne Komponenten verglichen werden, sollte ein realistisches Gesamtbudget feststehen. Dabei sollte nicht nur an Prozessor und Grafikkarte gedacht werden. Auch Mainboard, RAM, SSD, Netzteil, Gehäuse und Kühlung gehören zum Rechner.

Außerdem stellt sich die Frage, ob Monitor, Tastatur, Maus, Headset und eine Windows-Lizenz bereits vorhanden sind oder ebenfalls aus dem Budget bezahlt werden müssen.

Praxistipp: Lieber einen ausgewogenen Gaming-PC zusammenstellen als sehr viel Geld in eine einzelne Komponente zu investieren und anschließend bei Netzteil, Speicher oder anderen wichtigen Bauteilen sparen zu müssen.

2. Welche Auflösung soll gespielt werden?

Für die Auswahl der Hardware ist die Auflösung des Monitors besonders wichtig. Ein Gaming-PC für Full HD stellt andere Anforderungen an die Grafikkarte als ein System für WQHD oder 4K.

Neben der Auflösung spielt auch die gewünschte Bildrate eine Rolle. Wer beispielsweise schnelle Multiplayer-Spiele mit 144 Hz oder mehr spielen möchte, hat andere Anforderungen als jemand, der überwiegend langsamere Spiele mit 60 Bildern pro Sekunde nutzt.

3. Die Grafikkarte passend zum Monitor auswählen

Die Grafikkarte gehört bei einem Gaming-PC zu den wichtigsten Komponenten und beansprucht häufig einen erheblichen Teil des Budgets. Ihre Auswahl sollte deshalb vor allem von Auflösung, Bildrate und den gewünschten Spielen abhängen.

Für Full HD muss nicht automatisch eine High-End-Grafikkarte gekauft werden. Bei WQHD steigen die Anforderungen, während hohe Bildraten in 4K entsprechend leistungsfähige und teure Hardware benötigen.

Auch der Grafikspeicher sollte berücksichtigt werden. Die GameStar weist in ihrer aktuellen Selbstbau-Kaufberatung darauf hin, dass höhere Auflösungen und Raytracing zusätzliche Anforderungen an den Videospeicher stellen.

Wichtig: Die teuerste Grafikkarte ist nicht automatisch die sinnvollste. Entscheidend ist, ob ihre Leistung zum vorhandenen Monitor und zu den tatsächlich gespielten Titeln passt.

4. Die CPU muss zur Grafikkarte passen

Auch der Prozessor beeinflusst die Spieleleistung. Besonders bei hohen Bildraten und CPU-lastigen Spielen kann ein zu langsamer Prozessor eine leistungsfähige Grafikkarte ausbremsen.

Umgekehrt muss für einen reinen Gaming-PC aber auch nicht automatisch die teuerste CPU gekauft werden. Zusätzliche Prozessorkerne bringen häufig einen größeren Vorteil bei Anwendungen wie Videoschnitt, Rendering oder anderen rechenintensiven Aufgaben als beim Spielen.

Deshalb sollte die CPU gemeinsam mit der Grafikkarte betrachtet werden. Ein ausgewogenes Verhältnis ist meistens sinnvoller als eine High-End-CPU neben einer vergleichsweise schwachen Grafikkarte – oder umgekehrt.

5. CPU und Mainboard müssen zusammenpassen

Mit der Wahl des Prozessors wird gleichzeitig die Auswahl möglicher Mainboards eingeschränkt. Entscheidend sind unter anderem der Prozessorsockel und die unterstützte Plattform.

Beim Mainboard lohnt sich anschließend ein Blick auf die tatsächlich benötigte Ausstattung:

Ein teures High-End-Mainboard macht einen Gaming-PC nicht automatisch schneller. Wenn die benötigten Anschlüsse und Funktionen vorhanden sind, kann ein solides Mittelklassemodell vollkommen ausreichen.

6. Beim Arbeitsspeicher sind 32 GB eine komfortable Größe

Für viele Spiele reichen auch kleinere Speicherausstattungen noch aus. Bei einem komplett neuen Gaming-PC sind 32 GB Arbeitsspeicher jedoch eine komfortable Größenordnung, die zusätzliche Reserven für aktuelle Spiele, Hintergrundprogramme und zukünftige Anforderungen bietet.

Wichtig ist außerdem, dass Arbeitsspeicher und Mainboard zusammenpassen. DDR4- und DDR5-Speicher sind beispielsweise nicht beliebig austauschbar. Bei einem neuen System sollte deshalb bereits bei der Wahl der Plattform entschieden werden, welcher Speichertyp verwendet wird.

Gut zu wissen: Mehr Arbeitsspeicher bedeutet nicht automatisch mehr Bilder pro Sekunde. Ist bereits genügend RAM vorhanden, bringt eine weitere Verdopplung für einen reinen Gaming-PC häufig deutlich weniger als eine sinnvollere Investition an anderer Stelle.

7. Bei der SSD lieber ausreichend Platz einplanen

Aktuelle Spiele können sehr viel Speicherplatz beanspruchen. Deshalb sollte die SSD nicht zu knapp dimensioniert werden.

Für einen neuen Gaming-PC ist eine NVMe-SSD im M.2-Format eine naheliegende Lösung. Extrem schnelle High-End-SSDs bringen beim Gaming allerdings nicht zwangsläufig einen entsprechend großen praktischen Vorteil. Häufig ist mehr Speicherkapazität hilfreicher als die höchste theoretische Übertragungsrate.

Wer mehrere große Spiele gleichzeitig installiert haben möchte, sollte deshalb schon bei der Zusammenstellung genügend Speicherreserve berücksichtigen.

8. Beim Netzteil nicht am falschen Ende sparen

Das Netzteil gehört zu den Komponenten, bei denen Qualität wichtiger ist als eine möglichst beeindruckende Wattzahl. Es muss zur Leistungsaufnahme von Grafikkarte, Prozessor und dem restlichen System passen und sollte noch eine sinnvolle Reserve besitzen.

Ein überdimensioniertes Netzteil ist jedoch ebenfalls nicht automatisch besser. Ein Mittelklasse-Gaming-PC benötigt nicht einfach deshalb 1.000 oder 1.200 Watt, weil entsprechende Modelle erhältlich sind.

Bei der Berechnung sollte insbesondere die Herstellerempfehlung der gewählten Grafikkarte berücksichtigt werden. Bei leistungsstarken Grafikkarten sind außerdem die benötigten Stromanschlüsse und der verwendete Netzteilstandard wichtig.

Wichtig: Bei einem Gaming-PC würde ich eher bei Beleuchtung oder Gehäuseoptik sparen als bei einem qualitativ vernünftigen Netzteil.

9. Gehäuse und Kühlung nicht vergessen

Ein Gehäuse muss nicht nur gut aussehen. Grafikkarte, CPU-Kühler, Mainboard und Netzteil müssen auch tatsächlich hineinpassen.

Besonders leistungsfähige Grafikkarten können sehr lang und breit ausfallen. Große Luftkühler benötigen wiederum ausreichend Platz in der Höhe. Bei Wasserkühlungen muss geprüft werden, ob das Gehäuse den vorgesehenen Radiator aufnehmen kann.

Bei der CPU-Kühlung würde ich persönlich eher zu einem ordentlich berechneten Luftkühler als zu einer AIO-Wasserkühlung raten – warum, und wie oft die Wärmeleitpaste dabei überhaupt erneuert werden sollte, erkläre ich in unserem Artikel Wärmeleitpaste erneuern – wie oft ist das wirklich nötig?

Zusätzlich sollte genügend Luft durch das Gehäuse strömen können. Eine luftdurchlässige Front und sinnvoll angeordnete Gehäuselüfter können für einen Gaming-PC wichtiger sein als aufwendige RGB-Beleuchtung.

Meine Gehäuse-Auswahl: In meiner laufend gepflegten Amazon-Liste sammle ich Gehäuse, die aus meiner Sicht ausreichend Platz für große Grafikkarten und Luftkühler bieten und für einen guten Luftstrom sorgen.

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10. Vor dem Kauf die Kompatibilität komplett prüfen

Bevor bestellt wird, sollte die gesamte Zusammenstellung noch einmal als Einheit betrachtet werden. Dabei sind insbesondere folgende Punkte wichtig:

Diese Prüfung ist wichtiger als die Frage, ob eine einzelne Komponente in einem Benchmark einige Prozent schneller ist.

Selbst bauen, zusammenbauen lassen oder Fertig-PC?

Wer die Komponenten selbst auswählt und den Rechner selbst zusammenbaut, hat die größte Kontrolle über die Ausstattung. Gleichzeitig setzt der Eigenbau etwas Zeit und die Bereitschaft voraus, sich mit der Hardware zu beschäftigen.

Eine interessante Zwischenlösung ist ein individuell konfigurierbarer PC, der anschließend vom Händler zusammengebaut wird. Dadurch lassen sich viele Komponenten selbst bestimmen, während der eigentliche Zusammenbau übernommen wird.

Ein Fertig-PC kann wiederum sinnvoll sein, wenn möglichst wenig Aufwand gewünscht ist. Hier sollte allerdings genauer darauf geachtet werden, welche Komponenten tatsächlich verbaut sind. Nicht nur Prozessor und Grafikkarte sind relevant, sondern beispielsweise auch Netzteil, Mainboard, Arbeitsspeicher und Kühlung.

Eine einfache Reihenfolge für die Zusammenstellung

Wer nicht weiß, wo er anfangen soll, kann einen Gaming-PC in dieser Reihenfolge planen:

  1. Gesamtbudget festlegen.
  2. Monitorauflösung und gewünschte Bildrate bestimmen.
  3. Typische Spiele und deren Anforderungen berücksichtigen.
  4. Passende Grafikkartenklasse auswählen.
  5. Dazu eine geeignete CPU bestimmen.
  6. Passendes Mainboard und Arbeitsspeicher auswählen.
  7. Ausreichend SSD-Speicher einplanen.
  8. Netzteil anhand der tatsächlichen Hardware dimensionieren.
  9. Gehäuse und Kühlung auswählen.
  10. Vor der Bestellung sämtliche Komponenten auf Kompatibilität prüfen.
Mein Praxistipp: Nicht versuchen, zuerst den „besten Gaming-PC“ zu finden. Sinnvoller ist der Gaming-PC, der zum eigenen Monitor, den bevorzugten Spielen und dem verfügbaren Budget passt. Dadurch lässt sich häufig viel Geld sparen, ohne beim Spielen einen relevanten Nachteil zu haben.

Fazit: Erst Anforderungen festlegen, dann Komponenten auswählen

Eine gute Gaming-PC-Zusammenstellung beginnt nicht mit einer bestimmten Grafikkarte oder einem bestimmten Prozessor. Sie beginnt mit den eigenen Anforderungen.

Budget, Auflösung, gewünschte Bildrate und Spiele bestimmen, welche Leistung tatsächlich benötigt wird. Danach können Grafikkarte und CPU ausgewählt und die übrigen Komponenten darauf abgestimmt werden.

Wer anschließend noch Sockel, RAM-Typ, Stromversorgung, Abmessungen und Kühlung kontrolliert, vermeidet einen großen Teil der typischen Fehlkäufe beim PC-Selbstbau.

Weiterführende Quelle

Für konkrete und regelmäßig aktualisierte Beispielkonfigurationen in verschiedenen Preis- und Leistungsklassen ist die GameStar-Kaufberatung „Gaming PC zusammenstellen 2026: Den besten Gaming-PC einfach selbst bauen“ eine hilfreiche Ergänzung. Dort werden außerdem die einzelnen Komponenten und wichtige Punkte zur Kompatibilität ausführlicher behandelt.